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Immer am Sonnenball

Thema des Monats aus Heft-Nr.: 
03/2010

Besserer Klimaschutz durch Nutzung der Sonnenenergie für Strom und Wärme. Über 1.500 Kommunen hierzulande machen inzwischen bei der Solarbundesliga mit. Immer am Ball auch Neckarsulm.

Foto: www.dietmar-strauss.de

Die Energiewende wurde in der Stadt am Zusammenfluss von Neckar und Sulm bereits Anfang der 90er-Jahre eingeläutet und mit der Solarsiedlung Amorbach damals die erste solare Nahwärmeversorgung für ein ganzes Wohngebiet in Angriff genommen. Auf 50 Hektar sollten für 3.500 Einwohner Wohnungen entstehen, die mindestens zur Hälfte solar beheizt werden.

Damals belächelt
„Damals wurden wir dafür belächelt“, sagt Bürgermeister Klaus Grabbe. „Heute ist es ein Erfolgsrezept und läuft hervorragend.“ Die angestrebte solare Deckung von 50 Prozent wurde erreicht und der CO2-Ausstoß um 80 Prozent reduziert. Die umweltfreundliche Nahwärme kommt für zehn Cent je Kilowattstunde ins Haus. Dabei musste niemand Solarthermieanlagen direkt aufs eigene Hausdach bringen. „Die solare Wärme wird über ein System abgenommen“, so Grabbe. Und das ist Sache der Stadtwerke von Neckarsulm, die die stadteigenen Solar-Anlagen auf öffentlichen und privaten Dächern auch betreiben und warten. Für die kalte Jahreszeit wird die solare Wärme in einem Erdsondenspeicher gepuffert, der je nach Wachstum der Solarsiedlung erweitert werden kann. So war es im Weiteren nur logisch, sich auch der solaren Stromerzeugung zuzuwenden, die die Kommune zunächst über Pilotprojekte ankurbelte. Die Stadt hat dieser Entwicklung mit eigenen Förderprogrammen für Photovoltaik- und Solarthermieanlagen noch einen zusätzlichen Schub verliehen. Seit Mitte der 90er Jahre wurden in der 26.000 Einwohner zählenden Stadt rund 350 thermische Solaranlagen (ca. 8.540 qm) und 360 Photovoltaikanlagen (ca. 1.860 kWp) installiert. Sechs Mal war Neckarsulm in den vergangenen Jahren Titelträger im Meisterschaftswettbewerb der Solarbundesliga um die höchste Dichte an Kollektorflächen und installierte Kilowatt je Einwohner, die vom Bundesumweltministerium gefördert wird. In der vergangenen Solar-Bundesligasaison 2008/2009 war es der achtbare dritte Platz unter den Mittelstädten. Und auch zur Halbzeit der Saison 2009/2010 lag die Kommune Baden-Württembergs bei den Mittelstädten wiederum auf dem Bronze-Rang. Für Baubürgermeister Klaus Grabbe einmal mehr auch eine Bestätigung des bisherigen Kurses der baden-württembergischen Kommune in puncto grüner Energien, der nach seinen Worten viele verschiedene Stoßrichtungen hat und neben Solarwärme und Solarstrom zum Beispiel auch auf Biomasse zielt. „Denn der Wandel in der energetischen Versorgung funktioniert ja nur, wenn wir wirklich alle regenerativen Energien nutzen, die vor Ort zur Verfügung stehen“, sagt er. Neu auf der Agenda steht derzeit die solare Klärschlammtrocknung, um Entsorgungskosten zu sparen. Im Dezember 2009 hat die erste diesbezügliche Anlage in Neckarsulm den Betrieb aufgenommen. „Klärschlamm, ein großes Siedlungsabfallproblem“, sagt Klaus Grabbe. „Aber dieser Abfall ist ja ein Wertstoff – ein Energierohstoff, der in etwa den gleichen Brennwert hat wie Braunkohle.“

Lokale Unternehmen profitieren
Rund 500.000 Euro jährlich steckt Neckarsulm in den Klimaschutz, die CO2-Reduzierung und den Einsatz regenerativer Energien. Aus verschiedenen Fördertöpfen fließt das Geld an Private und Firmen, die in diesen Bereichen investieren. „Von den zahlreichen Aufträgen, die dadurch und im Nachgang von Pilotprojekten ausgelöst werden, profitieren natürlich die örtlichen Unternehmen ganz stark“, so der Baubürgermeister. Das sei in Neckarsulm genauso der Fall wie in anderen Städten auch. Es hat aber mit Sicherheit auch mit der auf Initiative von Necksarsulm gegründeten Solar- und Energieinitiative e.V. Heilbronn zu tun. Vertreten sind dort insgesamt 15 Kommunen, IHK, Handwerkskammer, Architektenkammer, Privatleute sowie Unternehmen, die die Wirtschaft der Region wesentlich prägen wie beispielsweise der Autohersteller Audi. „Wir haben die Initiative damals vor zwölf Jahren gegründet, weil wir gemerkt haben: Der beispielhafte Umgang mit erneuerbaren Energien reicht allein nicht aus. Wir müssen das Thema in die Breite bringen“, sagt Grabbe, der auch Vorsitzender des Vereins ist. Etabliert wurde dort zum Beispiel die Vortragsreihe „Unterländer Solargespräche“. Für Handwerker gibt es Seminare zum Thema erneuerbare Energien und für Interessenten außerdem einen Energiecheck im Rahmen des EU-Förderprogramms „Concerto Energy in Minds!“. Als eine von vier europäischen Städten und einzige deutsche Stadt war Neckarsulm hier fünf Jahre eingebunden und hat mit dieser Unterstützung neue Projekte angeschoben. Zum Nachmachen! Es werde zwar viel geredet über erneuerbare Energien und geschrieben, so Grabbe. „Aber was ist mit konkreten Ergebnissen? Da liest man immer wieder von guten Absichten. Und es werden Labels verteilt – für Planungen.“ Man müsse endlich zum Handeln kommen, appelliert der Bürgermeister auch an Amtskollegen. „Denn die Technologien sind ausgereift. Sie können eingesetzt werden. Man muss es nur tun.“ Und mit Blick auf die gegenwärtige Diskussion um die Pläne zur Kürzung der Solarförderung fügt er hinzu: „Ein schwarzer Tag für die Solarwirtschaft wäre, wenn die Koalitionsabsichten die Einspeisevergütung zu reduzieren, in ein Gesetz münden.“

Wettstreit auf deutschen Dächern
Seit 2001 gibt es die Solarbundesliga – veranstaltet von der Redaktion Solarthemen und der Deutschen Umwelthilfe. Mitmachen können alle Gemeinden. Sie müssen dazu drei Zahlen glaubhaft ermitteln und darlegen: die Einwohnerzahl, die insgesamt installierte Leistung der Solarstromanlagen und die Gesamtfläche aller Solarwärmeanlagen. Seine Gemeinde melden kann jeder, der sich aktiv um diese Zahlen kümmert, wie Solarvereine, Agendagruppen, Handwerksverbände, Lokalzeitungen, Bürgermeister. Meldeschluss für die Saison 2009/2010 ist der erste Juni 2010. Infos zu Rankings und Wertungssystem finden Sie auf der unten stehenden Website der Solarbundliga.
Bei der Zwischenwertung der Saison 2009/2010 um die höchste Dichte von Solarwärme- und Photovoltaikanlagen in Deutschland lagen in der Gesamtwertung aller Teilnehmer mit den Kommunen Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog und Kronprinzenkoog diesmal gleich zwei Nordlichter vorn. Bei den Klein- und Mittel- und Großstädten haben allerdings weiterhin die Südländer die Nase vorn. Kommunen aus Bayern und Baden-Württemberg weisen hier die höchste Solardichte auf.

Auf den letzten Drücker?
Wenn die Investition in Sonnenenergie billiger wird, kann die öffentliche Förderung dann nicht auch sinken? Der akute Preisverfall für Solaranlagen hat eine Diskussion um die Förderung von Solarstrom entfacht. Die Bundesregierung will die Einspeisevergütung für Solarstrom aus Dachanlagen ab April und für Freiflächenanlagen ab Juli um 15 Prozent senken. „Wer jetzt noch auf dem letzten Drücker von der derzeitigen Förderung profitieren will, sollte keine überhastete Entscheidung treffen, sondern die Installation einer Photovoltaikanlage umsichtig durchrechnen und planen", rät die Verbraucherzentrale NRW. Entscheidend sind Material- und Installationsqualität sowie reelle Preise.

Worauf man bei der Planung der Photovoltaikanlage achten sollte

1) Leistungsgarantie
Interessenten sollten sich die Nennleistung möglichst für 20 Jahre vom Hersteller der Solaranlage garantieren lassen. Das heißt genauso lange wie auch die Einspeisevergütung für Betreiber gesetzlich garantiert ist. Denn für die Höhe der Rendite ist ein rentables Verhältnis von Preis und garantierter Nennleistung in Watt entscheidend. Nur qualitätsgeprüfte und zertifizierte Module verwenden. Angebotsvergleich Mehrere Komplettangebote einholen. Unbedingt von Firmen, die in der Montage von PV-Anlagen firm sind. Der Preisvergleich gelingt am besten, wenn die einzelnen Posten im Detail aufgeführt sind: wie Lieferung der Module, Wechselrichter, Verkabelung, Befestigungssystem, Montagekosten, Anschluss ans Netz und die Erledigung der Formalitäten mit den Netzbetreibern

2) Wirtschaftlichkeit
In jedes Angebot gehört neben der ausführlichen Darstellung sämtlicher Kosten und Erlöse auch die Berechnung der Wirtschaftlichkeit. Auch Wartung und Versicherung sollten enthalten sein.

3) Solarstrom selber nutzen lohnt sich
Jede Kilowattstunde Solarstrom, die ein privater Produzent selbst verbraucht, wird gesondert vergütet. Richtig verbucht werden kann der selbst genutzte Strom aber nur, wenn die Höhe des Eigenverbrauchs auf einem geeichten Stromzähler ablesbar ist. Wer die Kosten für die passende Ablesetechnik nicht scheut, dem winkt demnächst eine deutliche Anhebung der Extravergütung. Rat vom Fachmann einholen Auch die Verbraucherzentralen bieten – gegen Entgelt - neutrale Beratung zum Thema Solarstrom. In einigen Städten kommen die Energie-Experten zum Solar-Check auch ins Haus.

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